Work, Life, wo ist da die Balance?

Ich gebe zu, ich dürfte mich eigentlich nicht beschweren. Ich habe eine lange Zeit das Glück gehabt als Studentin meine Tage zu verbringen und zwischen Uni Abgabeterminen und Ferien hin und her zu switchen. Ich kann nicht bestreiten, dass das die schönste Zeit meines Lebens war und ich trauere ihr schon jetzt nach. Jetzt, nach fast fünf Jahren befinde ich mich wieder in einer 40h Arbeitswoche. Und immer öfters kommt mir dieser eine Gedanke: „Wie kann es sein, dass wir nur noch arbeiten um leben zu können, oder leben wir um zu arbeiten?“

Das Leben ist kein Ponyhof

Schon klar, dass das Leben kein Ponyhof ist, das habe ich auch gar nicht erwartet. Ich glaube das erwartet keiner von uns. Aber wieso fällt es nur so schwer die richtige Work-Life-Balance zu finden? Ich habe mich vor allem kurz vor dem Jahreswechsel intensiv mit diesem Thema beschäftigt und bin leider bis heute auf keinen grünen Zweig gekommen. Ich bin unendlich dankbar, dass ich die Chance bekommen habe dort zu arbeiten wo ich momentan arbeite und ich liebe auch was ich dort alles lernen und machen darf. Nur wie so oft im Leben kommt eigentlich das zu kurz, was doch so viel wichtiger wäre, oder? Familie, Freunde oder sich Zeit zu nehmen für Dinge die man gerne tut, die einen erfüllen und Freude bereiten. Zu leben! Was ich stattdessen jeden Morgen auf dem Weg in die Arbeit sehe, sieht wirklich nicht nach einem erfüllten Leben aus. Dicht zusammengedrängt sitzen die Menschen in den U-Bahnen, sehen gedankenverloren aus den Fenstern oder starren auf die Displays ihrer Handys. Ich sehe in viele Gesichter und sie sehen traurig aus. Was sie wohl lieber tun würden. Vermutlich alles, außer jetzt in diesem Moment auf dem Weg in die Arbeit zu sein.

Im Hamsterrad gefangen

Auch ich sitze oft mit genau diesem Blick da, obwohl ich doch eigentlich glücklich sein sollte. Ich starre aus dem Fenster und die U-Bahn hält an. Einige Menschen steigen aus und ich beobachte, wie sie ihren Weg fortsetzten. Ein junger Mann geht an meinem Fenster vorbei, sieht mich an und lächelt. Zunächst war ich verwirrt und dachte mir, warum lacht der Typ mich bitte an? Doch als ich in das Spiegelbild des Fensters blickte, sah ich erst, dass auch ich diesen Blick der Unzufriedenheit aufgelegt hatte. Genauso, wie die Personen links und rechts von mir. Es hilft auch nicht wirklich, diese sogenannten Aussteiger auf unterschiedlichsten Social-Media-Plattformen zu sehen, das macht zumindest mich noch eine Spur unglücklicher. Warum eigentlich? Wenn wir ehrlich sind, haben sie es alle richtig gemacht. Sie sind aus dem Hamsterrad ausgestiegen und leben vermutlich ein glücklicheres Leben, ohne dem Druck. Ohne materielle Dinge von denen wir glauben, das sie uns glücklicher machen würden, oder der Anerkennung, nach der wir doch alle mehr oder minder streben.

Grenzen ziehen 

Doch zurück zum Thema. Leben wir nun um zu arbeiten und arbeiten wir um zu leben? Ich glaube, dass jeder von uns es selbst in der Hand hat, wie er sein Leben gestalten möchte und was er dafür bereit ist zu riskieren oder zu tun. Sei es eine Grenze zwischen Arbeit und Privatleben zu ziehen oder drastischere Schritte zu gehen. Ich für meinen Teil bin der Meinung, dass es nicht viel über einen aussagt was er geleistet hat oder welchen Job er hat. Man kann nicht hinter die Fassade eines Menschen sehen und hat keine Ahnung ob der Mensch nun glücklicher ist, weil etwas anderes auf seiner Visitenkarte steht oder er vielleicht ein volleres Bankkonto hat. Vielleicht sollten wir alles etwas weniger ernst nehmen. Denn wenn wir ehrlich sind, ist es nur ein Job. Dieser sollte dich nicht unglücklich machen oder dich jeden Tag überfordern. Für sich selbst eine Grenze zu ziehen, ist hier schon ein guter Schritt in die richtige Richtung. Sich Zeit für die wichtigen Dinge nehmen und nicht immer alles auf einen anderen Tag verschieben. Denn dieser eine Tag kommt nicht mehr zurück. Sich weniger stressen zu lassen, egal von wem oder was auch immer. Sich nicht so viel zu sorgen. Nach der Arbeit ist nach der Arbeit und mit unseren Gedanken sollten wir im Hier und Jetzt sein. Wenn wir alt und grau sind, wird wohl niemand von uns sagen, ach hätte ich mich doch noch viel mehr für die Arbeit eingesetzt und noch mehr von mir gegeben… Am Ende ist es wichtig, dass wir viele schöne Momente mit den Menschen verbringen, die wir lieben und schätzen. Lachen! Freude haben und das Leben in all seinen schönen Facetten auskosten. Es ist viel zu kurz und zu schön, um es nicht zu tun und das Wichtigste überhaupt, es ist nur ein JOB. Punkt.

 


Wie seht ihr das? Fällt euch die Balance zwischen Arbeit und Privatleben auch oft sehr schwer? Schreibt mir doch einen Kommentar. Ich freue mich auf eure Geschichten ❤


 

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6 Kommentare zu „Work, Life, wo ist da die Balance?

  1. Hallo, ich mache mir in letzter Zeit auch immer mehr Gedanken darüber was ich eigentlich mit meinem Leben erreichen will und was mir wichtig ist. Früher wollte ich immer einen gut bezahlten Vollzeitjob (als ich noch Studentin war) und jetzt wo ich das habe fühlt es sich alles andere als richtig an.
    Vor zwei Jahren bin ich nach Australien ausgewandert, weil ich meine Zukunft dauerhaft nicht in Deutschland gesehen habe, aber die gleichen Fragen sind noch immer da.
    Ich habe vor kurzem selbst einen Blog zu dem Thema und meiner Reise zu mehr Work-Life Balance erstellt und würde mich freuen wenn wir in Kontakt bleiben könnten 🙂

    lovejoyroad.com

    Liebe Grüße,
    Felicia

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  2. Guten Morgen,

    toller Artikel mit wichtigen Fragen. Die Frage habe ich mir auch nach 10 Jahren arbeiten auch gestellt.

    Danach habe ich gekündigt und mich nach einem Sabattjahr selbstständig gemacht.

    Heute sind mir meine Werte, meine Freiheit und eben nichtmehr zu „müssen“ mehr Wert als vieles andere.

    Das „Müssen“ im leben ist mir so wichtig, dass ich darüber sogar einen Blog angefangen habe wo ich das ganze versuche zu verarbeiten.

    Wenn Du magst schau doch mal rein.

    http://www.mussichdas.de

    Gefällt 1 Person

  3. Hallo meine Liebe!

    Du sagst so wahre Worte! Ich hatte bis vor einem Jahr auch noch die gleichen Gedanken. Ich bin jeden Tag zur Arbeit gegangen und es hat mich einfach nicht erfüllt, nicht glücklich gemacht. Ich habe mir auch die Frage gestellt, ob es das jetzt gewesen sein soll. Schließlich habe ich einen Schritt gewagt und gehe jetzt wieder zur Schule, um später den Beruf zu machen, der mich wirklich glücklich macht (das hoffe ich zumindest)
    Und du hast so recht. Es ist nur ein Job! Und das vergessen leider so viele.

    Viele liebe Grüße,
    Anna 🙂
    https://wwwannablogde.blogspot.de/

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  4. Toller Beitrag.
    Zurzeit habe ich noch das Glück zu studieren, und habe lediglich eine 14h Woche auf der Arbeit. Dennoch kommt ja dann oftmals alles zusammen. Blog, Arbeit, Uni. Ich denke wir sind alle schon diesem enormen Druck ausgesetzt, das Gefühl zu haben, man hätte keine Zeit für die wichtigen Dinge. Ich baue mir Rituale in den Alltag, um entspannen zu können. Sonntags zum Beispiel ist ab 15 Uhr bei mir Entspannung angesagt. Ein schwieriges Thema was du angesprochen hast, aber ich kann deine Gedankengänge nur zu gut verstehen.

    Liebe Grüsse Maren

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