Landei oder Stadtkind?

Die ersten 21 Jahre meines Lebens habe ich in einem kleinen Dorf verbracht. So sehr ich es liebte in die Natur zu gehen und jeden im Dorf zu kennen, so hatte das Dorfleben natürlich auch seine Schattenseiten.

Getratsche, Blicke, wenig Möglichkeiten etwas zu unternehmen. Meine Cousine und ich sagten schon früher immer, dass es uns wohl eher mal in die große Welt ziehen würde als dort zu bleiben wo wir aufwuchsen. Die Stadt, so aufregend, neue Dinge die man sieht und man niemanden Rechenschaft schuldet wenn man nicht mit frisch gewaschenen Haaren oder ungeschminkt zum Bäcker geht. Meine Cousine zog nach England und ich blieb zurück. Auf dem Land. Doch als ich schlussendlich doch in die Stadt zog, meiner Wahlheimat Wien wurde mir nach und nach klar, dass auch das Stadtleben seine negativen Seiten hatte. Was ich in der Zeit gelernt habe seitdem ich in der Stadt bin? Das man nur sehr selten Menschen grüßt, die man beispielsweise nur vom Sehen kennt und dass man am besten die Fenster zu lässt im Sommer um nicht den Lärm zu hören. Aber das Stadtleben hat natürlich auch seine Vorteile. Man kann aufstehen rausgehen und jeden Tag etwas Neues sehen ohne vorher gewusst zu haben, dass dieses tolle Restaurant nur drei Straßen weiter war. Auch kann man sich so geben wie man wirklich ist. Man kann mit diesen zerrissenen Jeans herumlaufen, ohne gefragt zu werden ob man kein Geld für richtiges Gewand hat. Man kann den roten Lippenstift tragen ohne blöd angesehen zu werden. Man kann bis spät in die Nacht hinein herumlaufen und auch noch um 2 Uhr einen Kebab bekommen.

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Natürlich hatte ich anfangs meine Schwierigkeiten mich mit dem Stadtleben anzufreunden, ich als Landkind, das bis zu dem Zeitpunkt nie länger als ein paar Tage in der Stadt verbrachte. Heute tue ich mir eher schwer mich mit dem Gedanken anzufreunden irgendwann vielleicht wieder aufs Land zu ziehen. Natürlich meine Familie und Freunde fehlen mir, aber irgendwie bin ich nach drei Jahren in Wien ein Stadtkind geworden. Aber wisst ihr was das Schöne daran ist ab und zu wieder zurück aufs Land zu fahren? Man lernt zu schätzen was man als Jugendlicher eher abwertend fand. Die Ruhe. Es ist so unglaublich still dort wo ich wohne und das verhilft mir nicht nur dazu richtig abzuschalten, sondern auch besser zu schlafen. Die Natur. So schön die Gebäude in der Stadt auch sind, die Natur die sich am Land zeigt, ist einfach unschlagbar schön und jedes Mal aufs Neue flasht mich dieses Gefühl das ich habe wenn ich meine übliche Route spazieren gehe. Die Farben, der Geruch, die Geräusche treiben mich hinfort von meinem Alltagsstress und je länger ich wieder zuhause bin, desto schwerer fällt es mir wieder zurück in die Stadt zu fahren. In mir sind diese zwei Menschen, das Landei und das Stadtkind. Die beiden verstehen sich ganz gut. Auch wenn ich die Stadt liebe, mein Herz gehört dem Land.

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Sind unter euch auch ein paar Leute die vom Land in die Stadt gezogen sind? Was sind eure Erfahrungen? Lasst mir gerne ein Kommentar da, ich würde mich freuen 😉

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Ein Kommentar zu „Landei oder Stadtkind?

  1. Ich bin ein Landei & werde wohl immer eines bleiben. Irgendwas an Städten stört mich so extrem, dass ich mich auf lange Zeit nicht wohl fühle. Mein Exfreund wohnt in München & jedes Mal wenn ich auf längere Zeit bei ihm war, freute ich mich regelrecht wieder auf die Natur & frische Luft.

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